»Ich habe Bürokauffrau gelernt. Zur Pflege kam ich erst durch eine Verkettung glücklicher Umstände. Nach zehn Jahren in meinem Lehrbetrieb, einem Kraftfahrzeug- und Haushaltsgerätegroßhändler, habe ich eine Kinderpause gemacht und nebenbei als Verkäuferin gearbeitet. Als das Spielwarengeschäft, in dem ich arbeitete, pleite ging, habe ich bei einer Familie im Haushalt geholfen. Dort lebte auch ein altes Ehepaar, der Mann war Schlaganfallpatient. Also habe ich nicht nur geputzt und gekocht, sondern auch gepflegt. Später beauftragte mich deren Tochter dann offiziell mit der Pflege ihrer Eltern.

Erika Pritscher, Quereinstieg in die Pflege Foto: Burcom/Schophoff

Um etwas in der Hand zu haben, habe ich parallel, mit Ende dreißig, eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin begonnen. Für die Praxisstunden kam ich für drei Wochen nach Essenbach. Am letzten Tag wurde ich gefragt, ob ich nicht gleich da bleiben wolle. Doch ich wollte das alte Ehepaar nicht im Stich lassen. Also war ich vormittags weiter dort, und nachmittags übernahm ich den Spätdienst hier im Heim. Später, als ich Vollzeit im Heim arbeitete, schloss sich dann der Kreis: Das Ehepaar kam zu mir ins Heim. Als die Frau mit über neunzig starb, schrieb ich ihrer Tochter in meiner Beileidsbekundung: ›Ich habe es Ihnen zu verdanken, dass ich einen Beruf gefunden habe, den ich gerne mache!‹

Von den Alten kann man so viel lernen. Darüber, wie man mit der Zeit, in der man jung und gesund ist, umgehen sollte. Fast immer sind es die Erinnerungen an die glücklichen Stunden mit der Familie, wovon sie zehren. Sie sagen: Genieß dein Leben, gehe auf Reisen – und verbringe viel Zeit mit der Familie! Das tue ich. Zuletzt habe ich mir einen Traum erfüllt und war mit meinem Mann und unserem Sohn in Amerika, auf einer dreiwöchigen Rundreise durch Kalifornien. Es war schön – aber die Altersvorsorge ist dort so schlecht, dass 75-Jährige mit Sauerstoffgeräten an den Supermarktkassen sitzen. Da hat man gesehen, wie gut es den alten Menschen bei uns eigentlich geht.

Trotzdem gibt es natürlich auch hier Bewohner, die unter ihrer Situation leiden. Aber das liegt weniger am Heim oder an den Pflegern als am Charakter des Bewohners. Ich glaube, im Altenheim ist jeder so, wie er schon vorher war: Wer immer schon zufrieden war, ist es auch dort; wer im Leben gelernt hat, neue Situationen anzunehmen, der kann es auch im Heim. Pessimistische Menschen dagegen sind manchmal auch nach zehn Jahren noch verzweifelt, dass sie im Altenheim sind. Um mit den unterschiedlichen Charakteren umgehen zu können, braucht man viel Einfühlungsvermögen. Man muss sich immer fragen: Warum ist der Mensch so, wie er ist? Empathie ist in unserem Beruf das Wichtigste, die Grundvoraussetzung. Das zweitwichtigste: Humor. Das Leben ist doch oft schon traurig genug. Manchmal sage ich zu unseren Praktikanten: ›Wenn ich einmal alt bin und hierher komme und du noch da bist, möchte ich zum Frühstück Eis und Schokolade!‹ Falls meine Erinnerung irgendwann verblasst, wünsche ich mir, dass sich ein Pfleger an mein Bett setzt und mir aus meinen Reisetagebüchern vorliest.«

Erika Pritscher, 53, Pflegefachhelferin im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Wolfgang in Essenbach

Lernen bei der Caritas: Ausbildung zum/r Altenpfleger/in

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