»Ich habe nach der Schule das Schreinerhandwerk gelernt und einige Jahre auch als Schreiner gearbeitet. Allerdings hat sich der Beruf stark verändert und so habe ich Mitte der 1990er-Jahre zum Mediengestalter umgeschult. Doch länger als zehn Jahre sollte ich auch diesen Beruf nicht ausüben. Meine Mutter erkrankte plötzlich und wir hatten einen Pflegefall zuhause. Es war ein Schicksalsschlag, der nicht nur mein familiäres, sondern auch mein berufliches Leben komplett veränderte.

Hermann Pigerl, Quereinstieg in die Pflege Foto: Caritas Regensburg/Weigl

Ich stellte mir all die Fragen, die mir heute als Pflegedienstleiter beinahe täglich gestellt werden: Wo und wie ist meine Mutter gut versorgt? Wie sieht gute Pflege aus? Und was kostet das alles? Schon damals dachte ich mir: ›Mensch, das muss doch besser gehen!‹ Parallel dazu wandelte sich das Berufsbild des Mediengestalters im Zuge der Digitalisierung. Es war klar, dass ich mich beruflich erneut umorientieren müsste. Irgendwann fühlte ich mich berufen. Ich habe neu gestartet und drei Jahre lang eine Ausbildung zum Altenpfleger gemacht. Da war ich schon Anfang 40 und Vater von zwei Kindern. Nach meiner Ausbildung wechselte ich bald zum Caritasverband Regensburg, dem größten sozialen Arbeitgeber in der Region. Hier werde ich adäquat bezahlt und es werden innerbetriebliche Fortbildungen angeboten, die ich gerne nutze. Zudem tut es gut, die Sicherheit eines großen Arbeitgebers zu genießen.

Seitdem ich in der Pflege arbeite, hat sich mein Blick auf sie verändert. Zunächst war ich Wohnbereichsleiter im Regensburger Elisabethinum, dann Pflegedienstleiter in St. Bernhard in Bernhardswald und schließlich kam ich nach Regenstauf ins Hermann-Grötsch-Haus. Dort verantworte ich an der Seite der Heimleiterin Maria Seidl die Pflege für 105 Bewohner. Ich weiß heute, dass man an vielen Stellschrauben drehen und damit die Qualität verbessern kann. Ich weiß aber auch, dass es keine zu hundert Prozent perfekte Dienstleistung gibt. In der Industrie ist Perfektion vielleicht möglich, aber nicht dort, wo Menschen mit Menschen arbeiten.

Für mich als Pflegedienstleiter ist die größte Herausforderung, einerseits, gute Pflege zu garantieren, und andererseits, für gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. Wir arbeiten rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Ich muss aufpassen, dass mein Personal nicht ausbrennt. Pflegende brauchen Auszeiten, sie brauchen ihre freien Tage, sie müssen sich selbst auch pflegen. Ich selbst habe die Gabe, von einer Sekunde auf die andere abzuschalten. Ich nehme meine Arbeit nicht mit nach Hause. Zudem mache ich den japanischen Kampfsport Kendo und erlerne dabei, das Schwert zu führen wie ein Samurai. Das stärkt meine Konzentration, kräftigt und entspannt mich zugleich.«

Lernen bei der Caritas: Ausbildung zum/r Altenpfleger/in

Hast du auch Lust, ältere Menschen zu begleiten und zu pflegen? Du kannst bei der Caritas Regensburg den Beruf „Altenpfleger/in“ lernen. Informiere dich hier!