Ausbildung

Mein Beruf: Altenpflege

Angehende Altenpfleger erzählen, warum sie gerne in diesem Beruf arbeiten, wie sie dazu kamen und was sie in ihrer Ausbildung lernen.

Cornelia Schiller, 26, Azubi im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Bernhard in Bernhardswald:

„Mit fünfzehn, gleich nach meinem Hauptschulabschluss, habe ich Zahnarzthelferin gelernt. In dem Beruf habe ich dann gearbeitet, bis ich 23 war. Aber die Kontakte mit den Patienten auf dem Zahnarztstuhl genügten mir irgendwann nicht mehr. Eine Bekannte, die als Krankenschwester arbeitet, empfahl mir Altenpflege.

‚Altenpflege?’, habe ich geantwortet, ‚Ich weiß nicht’.

Dann habe ich bei der Caritas angerufen. Die haben mir ein Schnupperpraktikum in Bernhardswald angeboten, für drei Tage. Da habe ich ein ganz anderes Bild von der Altenpflege bekommen: Ich dachte vorher, dass die immer nur Hintern abputzen, das übliche Klischee. Aber wir sind für die Bewohner nicht nur Körperpfleger, sondern auch Seelsorger, Psychologen, Familienersatz. Anders als die Patienten in der Zahnarztpraxis nehmen die Bewohner meine Hilfe nicht als selbstverständlich hin. Hier bekomme ich oft ein aufrichtiges ‚Danke’ und ein Lächeln – da ist es einfach schön, zu arbeiten.

Nach dem Praktikum hat mir die Heimleiterin gleich einen Ausbildungsplatz angeboten. Ich habe sofort zugesagt, aus dem Bauch heraus. ‚Wie kannst du das machen?’, haben mich manche gefragt. ‚Das ist doch voll der blöde Job. Du machst nur Überstunden und verdienst nichts.’ Dabei werden Altenpfleger, zumindest bei der Caritas, gut bezahlt. Im dritten Lehrjahr verdiene ich schon genauso viel wie als ausgelernte Zahnarzthelferin.

Die Schule hatten wir im Blockunterricht, also nicht einen Tag die Woche, sondern zwei bis fünf Wochen am Stück. Ich fand das gut! So hatten wir immer Abwechslung und konnten während der Blöcke intensiv lernen. Die Krankheitslehre ist medizinisch ziemlich anspruchsvoll. Da lernt man viel über die typischen Alterskrankheiten, zum Beispiel, welche Rückschritte ein Demenzkranker macht. Das hilft einem, sich einzufühlen. Viele Patienten haben große Probleme damit, dass sie Dinge, die früher selbstverständlich waren, plötzlich nicht mehr können. Wenn ich denen die medizinischen Hintergründe erklären kann, nehme ich ihnen ein bisschen die Angst.

Aber natürlich lerne ich auch viel von den Bewohnern! Wenn die merken, dass es mir nicht so gut geht, helfen sie mir. Sie haben ja schon so viel erlebt. Von einer Bewohnerin habe ich zum Beispiel gelernt, dass man niemals im Streit auseinander gehen soll. Man muss sich vor dem Abschied immer versöhnen. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen.

Natürlich fordert der Beruf einen, körperlich und psychisch. Man muss bereit sein, auf Freizeit zu verzichten. Wenn Kollegen krank sind, muss ich eben einspringen. Im Büro ist es nicht so schlimm, wenn Arbeit liegen bleibt. Aber bei uns geht es um Menschen!

Ich möchte keinen anderen Beruf mehr ausüben. Ich bin Altenpflegerin und das bleibe ich auch. Es gibt viele Aufstiegsmöglichkeiten, man kann Weiterbildungen machen und in andere Sparten gehen: ins Krankenhaus, in die Intensivpflege oder die private Pflege. Die Heimbewohner sagen immer: Du bist so jung, du hast noch so viel Zeit! Und das stimmt ja auch.

Es ist schade, dass unser Beruf bei vielen so in Verruf ist. Wenn mehr junge Leute Altenpfleger würden und wir ausreichend Personal hätten, würden die Probleme ja automatisch weniger und der Beruf attraktiver. Ich glaube, die wenigsten würden ihre Entscheidung bereuen. Wenn ich mir die Pflegehelferinnen anschaue, die seit 30 Jahren in der Pflege sind: Die machen das immer noch leidenschaftlich gerne!“

Andreas Ernsberger, 21, Azubi im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Martin in Neustadt an der Waldnaab:

„Die Pflege liegt bei mir in der Familie. Mein Onkel, meine Tante, mein Großonkel sind alle Krankenpfleger, meine Großtante ist Altenpflegerin und meine Schwester hat Pflegefachhelferin gelernt. Ich selbst habe schon als Schüler ein Praktikum im Pflegeheim hier in Neustadt gemacht und in den Jahren darauf immer wieder ehrenamtlich geholfen. Zu älteren Menschen hatte ich schon immer einen sehr guten Draht. Die haben so viel erlebt, so viele Schicksalsschläge eingesteckt, so viel erreicht, so viel aufgebaut – auch für uns Junge. Warum sollte man da nicht ein bisschen was zurückgeben?

Nach der Mittleren Reife habe ich dann die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer gemacht – und gleich danach die dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger drangehängt. Ich hätte, weil ich schon Pflegehelfer war, gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen können. Aber ich wollte ganz von vorn anfangen. Ich bin ja noch jung, da kommt es auf das eine Jahr nicht an.

Schichtdienst und Wochenendarbeit machen mir nichts aus, ich hab’ ja noch keine Kinder. Dann kann ich eben an einem anderen Tag in der Woche ausschlafen, wenn alle anderen arbeiten müssen. Das Schwierigste ist für mich die Schule. Um die Leistungsnachweise zu bekommen und am Ende die Prüfung zu bestehen, muss man schon ziemlich am Ball bleiben. Aber es lohnt sich! Man lernt dort so viel Wichtiges, über die Organfunktionen oder die Krankheitsbilder. Manchmal besuchen uns die Lehrer zu praktischen Tests im Pflegeheim. Da muss ich dann unter deren Aufsicht die Grundpflege durchführen oder ein Fachgespräch über die Erkrankung Diabetes führen. Das ist schon ein besonderer Nervenkitzel! Für mich – und für die Bewohner. Die sind dann manchmal noch nervöser als ich. Die wollen ja, dass man eine gute Note kriegt.

Ich komme mit fast allen Bewohnern super aus. Man baut sehr schnell persönliche Beziehungen auf. Wir reden und lachen viel, denen gefällt es, wenn ich in meinem jugendlichen Leichtsinn mal etwas Blödes daher rede. Aber es gibt auch ernste Situationen, die einen prägen und zusammenschweißen: Bei uns im Heim hat es aufgrund eines technischen Defekts mal gebrannt – genau an meinem 21. Geburtstag. Zum Glück ist niemandem etwas passiert. Alle Bewohner mussten evakuiert werden, in die Turnhalle vom Gymnasium. Da kamen viele Helfer, aber für die Bewohner war es auch wichtig, dass jemand da ist, der ihnen nahe steht. Die haben von heute auf morgen ihr Zuhause verloren und sich große Sorgen gemacht: Was wird jetzt aus uns? Wo werden wir jetzt wohnen? Mittlerweile ist das Haus saniert und sie sind wieder eingezogen.

Natürlich sind auch schon Bewohner gestorben, die ich sehr mochte. Aber man lernt hier schnell, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Man muss ein gesundes Maß finden zwischen Nähe und Distanz zu den Bewohnern. Wenn man solche Erfahrungen macht, festigt es einen. Man wird mit der Zeit viel standhafter.

In den kommenden Jahren möchte ich hier an der Basis arbeiten. Später will ich vielleicht noch mal in eine andere Einrichtung, in eine andere Region, was anderes sehen, man hat da als Altenpfleger ja viele Möglichkeiten. Vielleicht mache ich auch noch eine Zusatzausbildung, Gerontopsychiatrie oder Palliativpflege würden mich reizen. Aber im Moment bin ich mit dem, was ich hier habe, sehr zufrieden. Das haben mir die Bewohner beigebracht: Man muss sein Leben jetzt leben und genießen. Es kann so schnell vorbei sein ­– und dann kommt man nicht mehr zu all dem, was man geplant hat.“

Lernen bei der Caritas: Ausbildung zum/r Altenpfleger/in

Hast du auch Lust, ältere Menschen zu begleiten und zu pflegen? Du kannst bei der Caritas Regensburg den Beruf „Altenpfleger/in“ lernen. Informiere dich hier!

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